Als Schwedisch auf der Tour Amtssprache war · tennisnet.com

Der Tennissport scheint in Zyklen zu funktionieren. Nach einem Hoch für eine Nation kommt zumeist einen Baisse. Frag nach bei den Schweden.

von Jens Huiber

zuletzt bearbeitet: 24.12.2021, 18:22 Uhr

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Mats Wilander und Stefan Edberg nehmen den größten Schweden aller Zeiten in die Mitte: Björn Borg

Auch wenn man gerade den Eindruck gewinnen könnte, dass die russischen Männer in der Breite den Tennissport dominieren, so werden auch wieder Zeiten kommen, in denen kein Daniil Medvedev, Andrey Rublev und Aslan Karatsev unter den Top 20 stehen. Und mit Karen Khachanov auf Position 29 gleich der nächste Russe wartet. Frag mach bei den Schweden, die vor 35 Jahren in beachtlicher Mannschaftsstärke in der Spitzengruppe des Welttennis vertreten waren. Und jetzt? Halten die Brüder Elias und Mikael Ymer die schwedische Fahne hoch, wenn auch nicht besonders hoch: Mikael liegt auf Platz 94 der ATP-Charts, Elias nur auf 170.

1986 aber, da führte der Weg zu den großen Titeln fast nur über Wilander, Edberg und Co.. Die Erinnerung daran hat nun ausgerechnet ein russischer Veteran befruchtet: Yevgeny Kafelnikov, der seinem Kumpel Brad Gilbert die Jahresabschluss-Bilanz von vor 35 Jahren auftischte. Angeführt wurde die Rangliste damals von Ivan Lendl vor Boris Becker.

Wilander und Edberg mit unterschiedlichen Stilrichtungen

Dann aber wird es schon sehr skandinavisch. Auf Platz drei folgt Mats Wilander, der damals noch junge Stratege mit der Geduld eines nepalesischen Mönches. Zwei Ränge dahinter: Stefan Edberg, der 1988 und 1990 in Wimbledon gewinnen sollte, von der Spielanlage her genau auf der anderen Seite des Spektrums von Wilander zu verorten. Edberg hat seinen Zweitwohnsitz am Netz aufgeschlagen, Wilander zwei Meter hinter der Grundlinie.

Joakim Nyström folgte als Jahressiebter, auch er eher ein Mann, der sich von weit hinten zu profilieren wusste.

Auf Platz zwölf landete 1986 Mikael Pernfors, der Mann mit dem Irokesenschnitt und der gepeitschten Vorhand, der in jener Saison das Endspiel in Roland Garros erreichte. Gleich dahinter Sandplatzwühler Kent Carlsson, der mit seinem extremen Western-Vorhandgriff ganze Generationen von Nachahmern zeugte. Die allerdings allesamt scheiterten, vor allem auf unterster Amateurebene.

Auch Noah und Leconte 1986 im Spitzenfeld

Und nicht zu vergessen: Auch Anders Järryd schloss das Jahr unter den besten 20 Spielern der Welt ab. Järryd spielte nicht nur, aber zu Beginn vor allem mit Stefan Edberg ein grandioses Doppel, holte im Einzel aber auch acht Titel (im Doppel waren es 58!). In Erinnerung geblieben ist bei Anders Järryd aber natürlich die einzigartige Aufschlagbewegung – die im Gegensatz zu den meisten Kollegen schon mit hochgezogenem Schläger startete.

Große Zeiten für Schweden. Aber auch eine zweite Nation durfte damals noch viel eher von einem Grand-Slam-Sieg im Einzel träumen: Frankreich! Yannick Noah war Ende 1986 auf Platz vier klassiert, Henri Leconte folgte zwei Positionen dahinter. Die Geschichte zeigt allerdings: Bei Leconte blieb dieser Traum immer unerfüllt. Noah hatte immerhin schon 1983 in Roland Garros zugeschlagen.

Die Franzosen stehen im Moment zwar besser da als Schweden. Der nächste Major-Champion ist aber noch nicht in Sicht. Und zur Ehrenrettung der Schweden sei gesagt: nach der Generation Edberg/Wilander schafften es auch Magnus Norman, Robin Söderling oder Jonas Björkman in die erweiterte Weltspitze.

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