Was von den HTT Finals 2021 bleibt · tennisnet.com

Natürlich hat der am Dienstag Abend über die Bühne gegangene Endspiel-Eklat die heurige Auflage der …

von Claus Lippert

zuletzt bearbeitet: 23.12.2021, 23:18 Uhr

Natürlich hat der am Dienstag Abend über die Bühne gegangene Endspiel-Eklat die heurige Auflage der Peugeot HTT Finals überschattet. Doch das zum bereits einunddreißigsten Mal ausgetragene Saisonfinale der besten und erfolgreichsten HTT-Spieler hatte weit mehr zu bieten, als das zum Skandal inszenierte “finale Kasperltheater” am Centercourt des UTC La Ville. Trotz Endspiel-Eklat und strengen Corona-Restriktionen sind die Peugeot HTT Finals 2021 vollgepackt mit spannenden Geschichten und großen Emotionen nach acht turbulenten Tagen zu Ende gegangen, und unter der Kategorie “voller Erfolg” in die glorreiche Geschichte diese Turniers einzuordnen. Ein Bericht von C.L

Die Peugeot HTT Finals 2021 haben auch nach der 31. Ausgabe ihren Status als wichtigste und prestigeträchtigste Veranstaltung im österreichischen Tennis-Breitensport ausgebaut, und sich als Vorzeige-Event der Peugeot Hobby Tennis Tour weiter eindrucksvoll etabliert. Erst mit einer Verspätung von knapp dreieinhalb Wochen und dem Aussitzen des bereits dritten Lockdowns der HTT-Geschichte, war das 68igste und letzte HTT-Turnier des Jahres in Szene gegangen. Vorerst mit den Top 8 Single-Stars, die allesamt die Phase geschlossener Tennishallen der ersten Dezember-Wochen wegzustecken hatten, und sich am Weekend vor der Eröffnung des Finalturniers mit Trainingseinheiten am gratis vom UTC La Viille zur Verfügung gestellten Centercourt in Form bringen konnten. Und dann ging der Vorhang auf, für acht teils recht lange, sportlich hochklassige und jede Menge tolle Geschichten produzierende Tage. Die Story schlechthin haben wohl die neuen Finals-Champions im Doppel, Lukas Prüger und Mihai Stefanescu geschrieben. Das deutsch-österreichische Duo hatte am ersten Spieltag noch nicht den Hauch einer Idee, dass sie am finalen Showdown der Top 8 Doppel-Paarungen mitwirken, und eine Woche später zur Turnier-Sensation avancieren würden.

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Doch dann meldete sich im 7.600 Kilometer entfernten Indianapolis die NCAA zu Wort, und untersagte in ihrer Funktion als Organisation für den amerikanischen Universitätsport dem dritterfolgreichsten Spieler der Peugeot Hobby Tennis Tour Maximilian Wild aus nicht wirklich nachvollziehbaren Gründen einen Start beim großen HTT “season finale”. Das war der politisch geprägte Startschuss für die großartigste und verrückteste Geschichte der heurigen Peugeot HTT Finals im UTC La Ville. Prüger & Stefanescu durften die Titel-Topfavoriten und HTT Australian Open Doppel-Champions vertreten, und erledigten diesen Job unglaublicher Weise so, wie es Wild-Linha nicht besser hätten tun können. Zum Auftakt tat man sich gegen Berghold-Lux noch schwer, hatte erst im Match-Tiebreak das bessere Ende für sich. Nach einer Niederlage gegen Scheidl-Wagner, musste man gegen Lippert-Schischlik in ein entscheidendes letztes Vorrunden-Doppel, ehe die HTT Australian Open Viertelfinalisten im Semifinale zum ganz großen und niemals zu erwartenden Coup ausholten. Mit dem heuer ungeschlagenen Nummer 1 Doppel der HTT Christoph Csar & Marek Schee, schien das deutsch-österreichische Sensationsteam eine unüberwindbare Hürde vor sich zu haben. 4:6, 6:4, 10:6, das sind die semifinalen Glückszahlen der späteren Sieger, die im Endspiel am Dienstag Abend dann auch noch den sportlichen Jackpot dieses Turniers knackten. Mit 7:6, 6:1 über die ungarisch-schwedische Paarung Barnabas Balazs und Elias Steinbichl traten Prüger & Stefanescu die Nachfolge von Martin Zehetner und Harald Schachinger als Peugeot HTT Finals Gewinner im Doppel an, und sorgten so für die einzigen strahlenden Siegerbilder des später im Eklat endenden Finaltages.

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Die Rolle der Turnier-Überraschung nahm derweil im Einzelbewerb jener junge Mann ein, der ebenfalls von der sportpolitischen Entscheidung rund um HTT Australian Open Champion Maxi Wild profitierte, und als Ersatzmann in der Gruppenphase für Furore sorgen sollte. Die Rede ist von Alexander Rieger, der sein Finals-Debüt am zweiten Spieltag gegen Philipp Schlaffer mit einer spektakulären Night-Session feierte. Sein erst um 02:33 Uhr Ortszeit feststehender 6:3, 5:7, 7:5 Erfolg, hatte für das am drittspätesten zu Ende gegangene HTT-Match der Open Era gesorgt, und dem 20jährigen einen Selbstvertrauens-Booster mit auf den Weg gegeben. Denn nur zwei Tage nach seinem “großen Kino zu später Stunde”, hatte Rieger seinen nächsten imposanten Auftritt am Centercourt, und nach 1:22 Stunden Spielzeit mit Lenny Wilmink erstmals in seiner Karriere einen Top 3 Mann und den späteren Turniersieger auf seine persönliche Abschussliste gebracht. Den erstmaligen Einzug in die Top Ten der HTT Charts gab es als Belohnung noch oben drauf. HTT Insider und die Kollegenschaft vor Ort hatten den 20jährigen plötzlich auf dem Radar, und Rieger selbst wackelnde Knie vor seinem dritten und letzten Vorrunden-Duell mit dem 2fachen HTT Finals Gewinner Lukas Prüger. Völlig überfordert von der Situation und der richtig Druck erzeugenden Ausgangslage eines Muss-Sieges, ging der Jungstar in 54 Minuten mit 2:6, 0:6 unter, und das Tennismärchen des 20jährigen jäh zu Ende.

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Nicht ganz nach Wunsch lief der Saisonabschluss für den dominierenden Mann der Saison 2021 Damian Roman. Der Ranglisten-Erste war mit 14 Siegen und drei gewonnenen Titeln in Serie in seine fünften “Finals” gegangen, und schon nach dem ersten Turniertag alle seine Siegesserien wieder los. Gegen Angstgegner Rene Gräflinger gab es außer akut gewordener Knie-Beschwerden nichts zu holen, und den ersten von zwei Dämpfern während der letzten Turnierwoche des Jahres. Nachdem der HTT Branchen-Primus in der Folge mit Siegen über HTT French Open Champion Florian Pimishofer und dem 17. Erfolg im 21. HTT Clasico gegen Serbiens Vladimir Vukicevic wieder die alte Hackordnung hergestellt hatte, musste er am Montag Abend im halbfinalen Generationen-Duell mit Lenny Wilmink, dem in der Vorrunde enttäuschend spielenden US-Jungstar den Vortritt ins Finale überlassen.  Ebenfalls einen Schritt vor dem angepeilten Endspiel musste auch der wieder in Form gekommene Lukas Prüger nach einem stark gespielten Turnier die Segel streichen. Gegen den in seinem 350. HTT Karriere-Match kämpfenden Vladimir Vukicevic lag Prüger eineinhalb Stunden lang ganz klar auf Finalkurs, ehe er sich nach 6:2, 5:3 Führung in einem epischen Duell noch 6:2, 6:7 und 4:6 geschlagen geben musste.

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Bei der 31. Auflage der Peugeot HTT Finals 2021 mussten sich die Spieler erstmals in der Geschichte dieses Turniers aber auch in Verzicht üben. Corona bedingt blieben Highlights wie das obligate Foto der Topstars im feinen Zwirn oder auch die medial in Szene gesetzten Pressekonferenzen aus. Besonders bitter schmeckte natürlich das Fehlen der großen Attraktion “Players Lounge”, in der die HTT Stars alljährlich die Zeit vor, während und nach den Matches mit feinster Kulinarik genießen konnten. Auch das traditionelle Champions-Dinner blieb verwaist, hätte aber angesichts der finalen Vorkommnisse auch ohne Corona nicht stattgefunden. Top-Performance lieferte man hingegen in Sachen Centercourt-Entertainment  und der traditionell hochwertigen und topmodischen Finals-Fashion ab. Ansonsten musste man sich also in Verzicht üben, wie auch die Herren Philipp Schlaffer, Mario Lippert und Marcus Schischlik, die von den 31. Peugeot HTT Finals 2021 sieglos die Heimreise antreten mussten.

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