Mit Willen, Emotionen und Fans: Heimsieg gegen Stuttgart

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Mit Willen, Emotionen und Fans: Heimsieg gegen Stuttgart

Lange Zeit taten sich die müden Zebras zum Hinrunden-Abschluss schwer gegen den TVB Stuttgart, gingen gegen die Mannschaft mit den meisten Gegentoren in der LIQUI MOLY Handball-Bundesliga mit einem verdienten Zwei-Tore-Rückstand in die Pause. Dann aber entfachte der THW Kiel mit großem Willen und Leidenschaft das Feuer in der Partie, entfachte auch auf den Rängen die Emotionen. Und plötzlich hörten sich 4921 Zuschauer an wie 10.000, kämpfte sich der THW zurück in die Begegnung und holte zwei Tage vor Heiligabend mit dem 35:31 (17:19)-Erfolg zwei wichtige Zähler.   “Uns hat heute wieder die Spritzigkeit gefehlt”, sagte Kreisläufer Patrick Wiencek, “aber wenn wir einmal nicht gut Handball spielen, muss es eben über den Kampf gehen. Das haben wir geschafft.” Bester Kieler Schütze war Sander Sagosen, der siebenmal traf, Stuttgarts Isländer Viggo Kristjansson zeigte sich ebenfalls in Geberlaune, versenkte neun Bälle im Tor der Kieler. 

 

Schmerzhafter Start

Niklas Landins Start in die Partie war ein schmerzhafter

Für THW-Torhüter Niklas Landin war dieses letzte Spiel der Hinrunde ein schmerzhafter Start, traf ihn Stuttgarts Kreisläufer Peshevski doch gleich mit dem ersten Wurf an den Kopf. Der Däne taumelte durch seinen Wurfkreis, stand beim folgenden Tempogegenstoß des TVB neben seinem Tor, so dass die Schiedsrichter das Spiel unterbrachen. Landin schüttelte sich kurz, machte weiter und hatte zu Beginn einige gute Szenen, ehe Kollege Dario Quenstedt in der 20. Minute seinen Platz zwischen die Pfosten übernahm, bis zur Halbzeit das THW-Tor hütete. Zu diesem Zeitpunkt führte ausschließlich der Außenseiter. Das 2:4 aus der achten Minute glichen Rune Dahmke und Patrick Wiencek (Tempogegenstoß) zum 4:4, das 7:9 Nikola Bilyk und Domagoj Duvnjak mit einem ausgeschlafenem flachen Aufsetzer zum 9:9 aus. Doch ein flüssiges Spiel brachten die Zebras in den ersten 30 Minuten nicht zustande, verkrampften zusehends und leisteten sich viele Fehler. 

Halbzeitführung für die Gäste

Stuttgart nutzte die Lücken in der THW-Abwehr, allen voran Kristjansson, der aus dem Feld sicher traf und fünfmal von der Siebenmeterlinie eiskalt blieb. So legten die Gäste mehrmals einen Drei-Tore-Vorsprung zwischen sich und den hohen Favoriten, der sich schwer tat gegen diese vorne variantenreiche und hinten extrem zupackenden Schwaben. Gut, dass Magnus Landin mit der Schlusssekunde der ersten Halbzeit noch auf 17:19 verkürzte.

Stuttgart zieht weg

Sander Sagosen musste kräftig einstecken – und traf sieben Mal

Die Zebras hatten sich für die zweite Hälfte einiges vorgenommen, das merkte man sofort. Doch dabei schienen sie anfangs etwas zu überdrehen. Stuttgart nutzte das, zeigte sich immer noch hellwach und Pfattheicher sowie Lönn trafen an Landin vorbei zum 17:21. Eine Führung, die die Gäste bis zum 24:20 (37.) verteidigten. Dann robbten sich die Kieler durch Ekberg und den überragenden Sander Sagosen auf 22:24 heran, und die Wende nahte: Sven Ehrig netzte von Rechtsaußen sehenswert zum 23:25 ein, Niklas Landin war gegen Lönn zur Stelle, Bruder Magnus nutzte seine Chance auf der anderen Seite, traf zum 24:25.  

Schlüsselszene: Wiencek und Ekberg reißen die Fans von den Sitzen

Game changer: Mit diesem Hechtsprung leitete Patrick Wiencek die Wende ein

Dann bekam Domagoj Duvnjak, der angeschlagen ins Spiel ging und gemeinsam mit Wiencek für die Emotionen auf dem Feld sorgte, eine Zwei-Minuten-Strafe aufgebrummt – es folgte die Schlüsselszene: Patrick Wiencek hechtete in der Nähe der Mittellinie dem Ball hinterher, gewann das Duell, den Tempogegenstoß setzte Niclas Ekberg in Unterzahl unter dem Jubel der Fans zum 25:25 ins TVB-Netz. Längst waren die knapp 5000 auf den Rängen mittendrin in der Partie, halfen den Schwarz-Weißen über die schweren Phasen, und die Zebras rissen ihre Fans mit Einsatz und Leidenschaft von den Sitzen.

Der Bann bricht 

Alles in die Partie hineingeworfen: Domagoj Duvnjak

Stuttgarts Trainer Roi Sanchez nahm eine Auszeit, hoffte die Zebras damit bremsen zu können. Vergeblich. Der Bann war gebrochen. Das Traumanspiel von Miha Zarabec verwertete Hendrik Pekeler in der 44. Minute zum 26:25 – die erste THW-Führung setzte Kräfte frei. Das 27:25 ließ Pekeler ebenso spektakulär nur 40 Sekunden später folgen. Per Tempogegenstoß ließ Egon Hanusz seine Farben beim 28:27 noch einmal hoffen, aber dann übernahm Sander Sagosen das Kommando: Mit einem Drei-Tore-Lauf in drei Minuten sorgte der Norweger für die Vorentscheidung: 31:27 in der 53. Minute. Erneut Sagosen und Duvnjaks Wurf ins leere Stuttgarter Tor zum 34:28 in der 56. Minute erledigten den Rest: Das Weihnachtsfest der Zebraherde war gerettet.

Weihnachtsgrüße in der Landessprache

Weihnachtlich gestimmter Dank an die Fans

Die Zebras verabschiedeten sich nach der Partie mit Weihnachtsgrüßen in ihren Landessprachen von den gut 5000 Fans. Jicha gab seiner Mannschaft für Donnerstag frei, bietet seinen Mannen ein freiwilliges Regenerations-Training im Altenholzer Leistungszentrum an. Heiligabend verbringen die Spieler im Kreis ihrer Familien, und am ersten Weihnachtsfeiertag steht am späten Nachmittag das Abschluss-Training für das letzte Spiel des Jahres auf dem Programm: Am 26. Dezember trifft der THW Kiel um 20 Uhr in der Wunderino Arena auf den DHB-Pokalsieger TBV Lemgo Lippe. Für diese Begegnung gibt es online unter www.thw-tickets.de und am Spieltag in der THW-FANWELT (17-20 Uhr) noch einige Eintrittskarten. Weiter geht’s gegen Lemgo, Kiel!

LIQUI MOLY HBL, 17. Spieltag: THW Kiel – TVB Stuttgart: 35:31 (19:17)

THW Kiel: N. Landin (1.-18., 31.-60., 8 Paraden), Quenstedt (20.-30., keine Parade); Ehrig (3), Duvnjak (3), Sagosen (7), Reinkind (4), M. Landin (3), Weinhold (1), Wiencek (2), Ekberg (3/2), Ciudad (n.e.), Dahmke (1), Zarabec (1), Horak, Bilyk (1), Pekeler (4); Trainer: Jicha
TVB Stuttgart:
Pesic (1.-50., 9/1 Paraden), Prost (50.-60., 2 Paraden); Runarsson, Weiß, Hanusz (4), Schöttle, Lönn (5), Schulze (2), Röthlisberger (2), Augustinussen (1), Zieker (1), Müller (1), Pfattheicher (4), Meschke, Peshevski (2), Kristjansson (9/5); Trainer: Sanchez

Schiedsrichter: Martin Thöne / Marijo Zupanovic
Zeitstrafen: THW: 4 (Weinhold (10.), Dahmke (22.), Duvnjak (42.), Reinkind (47.)) / TVB: 7 (2x Lönn (5., 14.), 2x Weiß (23., 39.), 2x Röthlisberger (34., 50.), Zieker (43.)
Rote Karte: Weiß (grobes Foulspiel (57.))
Siebenmeter: THW: 3/2 (Pesic hält Ekberg (5.) / TVB: 5/5
Spielfilm: 0:1, 1:3 (5.), 2:4, 4:4 (10.), 5:5, 5:7 (14.), 7:9, 9:9 (17.), 10:13 (22.), 13:16 (26.), 15:17, 17:19;
17:21 (33.), 20:24 (37.), 23:25 (40.), 27:25 (45.), 28:27 (48.), 31:27 (52.), 34:28 (56.), 35:31.
Zuschauer: 4921 (Wunderino Arena, Kiel)

STIMMEN ZUM SPIEL:

THW-Trainer Filip Jicha: Ich bin sehr stolz auf meine Jungs, die alles reingehauen haben. Der TVB hat uns das Leben sehr schwer gemacht, die Mannschaft hat zuletzt sehr gut gespielt. Wir haben heute ähnliches erlebt. Wir haben viele einfache Fehler gemacht. Wenn der Geist nicht frisch ist, passiert das. Aber ich möchte meine Mannschaft dazu beglückwünschen, dass sie mit einer enormen Willensleistung, die letzten Ressourcen aus den Körpern zu kitzeln, das Spiel gedreht hat. Ich möchte mich heute bei unseren Zuschauern bedanken, die eine fantastische Stimmung erzeugt haben – und das trotz der halben Kapazität. Sie haben uns heute sehr geholfen. Aber: Wir brauchen Euch auch in drei Tagen wieder. Ich verspreche, dass wir alles in diesem Spiel gegen Lemgo auf dem Feld lassen werden – und Ihr könnt uns Energie dafür geben! Frohe Weihnachten – wir sehen uns am 26.!

TVB-Trainer Roi Sanchez: Glückwunsch an den THW zu diesem verdienten Sieg. Wir haben uns heute 45 Minuten lang sehr gut präsentiert und den THW Kiel auf Augenhöhe gehalten. Aber einige Dinge haben heute nicht ganz gepasst, wie zum Beispiel unsere Überzahl-Situation, die der THW sehr gut verteidigt. Um hier zu gewinnen, muss aber alles passen. Wir haben seit Saisonbeginn viele Schläge kassiert, meine Mannschaft steht aber nach jedem Schlag wieder auf.

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